Endlich Leicht — der intumind Podcast

Von 98 auf 78 Kilo ohne eine einzige Diät
Anne-Maria hat aufgehört, im Spiegel nach Fehlern zu suchen. Danach gingen 20 Kilo, fast 10 Zentimeter Bauchumfang, und die alten Klamotten passen wieder.


Folge 116
Von 98 auf 78 Kilo ohne eine einzige Diät
Anne-Maria hat 20 Kilo abgenommen. Angefangen hat es im Kopf.
Du stehst morgens im Bad und dein Blick geht sofort dorthin, wo es nicht passt. Der Bauch. Die Oberarme. Das Gesicht, das müder aussieht als du dich fühlst. Es ist kein bewusster Vorgang, es läuft von allein, jeden Tag, seit Jahren. Fehlersuche im Spiegel.
Anne-Maria kennt das. Sie ist 36, Lehrerin, und hat als eine der ersten unser Abnehmcoaching gemacht. Heute wiegt sie 20 Kilo weniger als vor einem Jahr, von 98 auf 78. Das Bemerkenswerte an ihrer Geschichte ist aber nicht die Zahl. Es ist die Reihenfolge: Bevor sich ihr Körper verändert hat, hat sich ihr Denken verändert. Und damit auch der Blick in den Spiegel.
Das nimmst du mit:
Warum eine Zahl auf der Waage oft der Auslöser ist, aber nie der eigentliche Punkt
Weshalb jahrelange Abnehmversuche scheitern können, obwohl das Wissen längst da ist
Was Anne-Maria am meisten überrascht hat, als sie ihren ersten Ernährungsplan bekam
Wie sich ihr Verhältnis zum eigenen Spiegelbild verändert hat, und wann genau
Eine kleine Übung, die du morgen früh im Bad ausprobieren kannst
Warum Verbindlichkeit mehr trägt als Motivation
Der Moment, an dem es kippte
Anne-Maria war schon als Kind das, was sie selbst "Moppelchen" nennt. In der Oberstufe hatte sie eine Sportbefreiung, weil sie wusste, dass sie die Leistungen mit ihrem Gewicht nicht bringen konnte. Gemobbt wurde sie nicht, sie hatte guten Rückhalt. Aber sie hat gemerkt, wie Lehrer zurückgewichen sind, wenn sie sie beim Sport halten sollten. Solche Momente schreiben sich ein.
Nach dem Studium kamen die ernsten Abnehmversuche. Die üblichen Diätprogramme. Mehr Sport, was tatsächlich geholfen und Selbstvertrauen gegeben hat. Aber der Durchbruch blieb aus. Ihre Erklärung dafür ist bemerkenswert nüchtern: Sie hatte die richtigen Stellschrauben einfach noch nicht gefunden.
Und dann war da eine Zahl. Die Waage ging bei ihr fast an die 100 Kilo. Das war der Punkt, an dem sie sagte: irgendwas muss anders werden.
Interessant ist, wie Anne-Maria selbst darüber spricht. Nicht dramatisch. Nicht mit Selbstverachtung. Eher wie jemand, der einen Messwert zur Kenntnis nimmt. Vielleicht ist genau das schon ein Hinweis darauf, warum es diesmal anders lief.
Warum Disziplin nicht das fehlende Teil war
Anne-Maria ist ein Genussmensch. Essen war für sie immer Freude, und deshalb ist ihr alles unglaublich schwergefallen, was auf Verzicht gebaut ist. Programme, in denen Genuss keinen Platz mehr hat, konnte sie nie durchhalten. Sie sagt selbst: Sie wollte es eigentlich auch nicht.
Was dann passierte, kennst du vermutlich in irgendeiner Variante. Irgendwann griff sie doch wieder zu den hochkalorischen Dingen, die Freude machen. Die Chipstüte war leer. Die Süßigkeiten waren weg. Und der Gedanke dahinter war nicht Gier, sondern: Ich will mich belohnen, ich gebe mir doch so viel Mühe.
Danach kam die Spirale. Erst das Gefühl, sich wieder etwas Schlechtes angetan zu haben. Dann der Impuls, sich selbst dafür zu bestrafen. Dann der Satz, der alles beendet: jetzt ist es auch egal. Und dann der Abbruch.
Das ist kein Charakterfehler. Das ist ein System, das falsch aufgestellt war. Wenn ein Weg vorsieht, dass du dir das nimmst, was dir Freude macht, dann brauchst du keine stärkere Disziplin. Du brauchst einen anderen Weg.
Alte Diät-Logik | Was bei Anne-Maria wirklich gewirkt hat |
|---|---|
Weniger essen, kleinere Portionen | Deutlich größere Portionen, anders zusammengesetzt |
Genuss streichen, um Erfolg zu haben | Genuss behalten und Neues entdecken, Rote Bete zum Beispiel |
Sich selbst durch Belohnung motivieren | Sich selbst als Investition behandeln |
Willenskraft, bis es klappt | Feste Termine und Verbindlichkeit von außen |
Der Kopf folgt dem Körper | Der Kopf verändert sich zuerst, der Körper folgt |
Die Überraschung: sie hat zu wenig gegessen
Als Anne-Maria ihren ersten Ernährungsplan bekam, war ihre erste Reaktion nicht Erleichterung. Es war Ungläubigkeit. Ihre Portionen wurden riesig. Am Anfang hat sie es überhaupt nicht geschafft, alles zu essen, sie musste sich langsam herantasten, bis ihr Magen das aufnehmen konnte.
Ihre Worte dazu: Sie hatte immer gedacht, sie würde total viel essen, und dass genau das der Grund für ihr Gewicht sei. Es war aber etwas anderes, nämlich was sie gegessen hat.
Wenn du seit Jahren in Diäten unterwegs bist, ist das oft die unangenehmste Erkenntnis von allen. Nicht weil sie hart ist, sondern weil sie so viele Jahre umsonst erscheinen lässt. Deshalb ist an dieser Stelle wichtig: Du hast nicht falsch gerechnet. Du hast mit der falschen Rechnung gearbeitet, weil dir niemand eine andere gezeigt hat.
Was sich zuerst verändert hat, war nicht der Körper
Anne-Maria ist Lehrerin und beschreibt sich als sehr rationalen Menschen. Für sie muss etwas wissenschaftlich hinterlegt sein, sonst hält sie es für Zufall. Beim Thema mentales Training war sie skeptisch, das ging für sie fast in Richtung Hypnose, und sie hätte nie gedacht, dass sie damit Erfolge feiern würde.
Sie hat es trotzdem probiert, mit einem einfachen Gedanken: Wenn schon so viel Herkömmliches nicht funktioniert hat, ist vielleicht wirklich etwas im Kopf, das umschalten muss.
Der Moment, an dem sie es gemerkt hat, ist konkret und fast komisch. Es ging um Wiederholung. Immer wieder derselbe Satz: Ich liebe buntes Gemüse. Und irgendwann hat sie festgestellt, dass sie bei dem Gedanken an Essen zuerst an Gemüse denkt. Ihre Zusammenfassung gegenüber ihrer Schwester: die Gehirnwäsche funktioniert.
Das ist genau der Punkt, um den bei intumind alles kreist. Dein Unterbewusstsein ist der Tanker, dein Wille das Paddelboot. Solange du mit dem Paddelboot gegen den Tanker rudern musst, ist jeder Tag Arbeit. Wenn der Tanker die Richtung wechselt, wird es leicht.
Und es ging noch tiefer. In einem der Praxis Calls sprach die Gruppe über das innere Kind. Für Anne-Maria hat es in diesem Moment total klick gemacht: dass sie teilweise noch immer das Kind ist, das Angst hat, keine Luft zu bekommen. Solche Erkenntnisse haben nichts mit Kalorien zu tun. Sie erklären trotzdem, warum Essen so lange die einzige verlässliche Beruhigung war.
Wie Selbstliebe im Alltag aussieht
Selbstliebe klingt groß. Bei Anne-Maria ist sie sehr klein und sehr konkret.
Früher | Heute |
|---|---|
Morgens im Bad vor sich hin dösen | Kleine Morgenroutine in der Dusche, Dankbarkeit, drei Dinge für den Tag |
Beim Korrigieren immer etwas Ungesundes daneben | Große Wasserflasche, etwas Obst, manchmal Gemüse zum Knabbern |
Essen im Job: irgendwann wird sich schon was finden | Vorbereitete, bunte Lunchbox, auf die Kolleginnen neidisch schielen |
Blattsalat kam in der Familie nicht vor | Salat steht beim Familienessen dazu, und alle greifen zu |
Blick in den Spiegel: Fehlersuche | Blick in den Spiegel: Hallo, da bist du ja |
Der Tag startet inzwischen mit zwei großen Gläsern Wasser, einem halben Liter. Früher hätte sie das auf keinen Fall gemacht. Sie ärgert sich immer noch ein bisschen darüber, dass sie dann ständig auf Toilette muss. Sie macht es trotzdem, weil sie weiß, dass sie sich damit etwas Gutes tut.
Und zwei Dinge sind ihr aus dem mentalen Training geblieben, die sie bis heute nutzt: ein Schlafaudio, bei dem alles angespannt und dann wieder losgelassen wird, und die Fünf-Sinne-Übung beim Spaziergang. Fünf Dinge sehen, dann hören, riechen, schmecken. Erden, wenn der Kopf zu laut wird.
Auf die Frage, was sie am meisten überrascht hat, nennt sie zwei Learnings: das Wasser, und wie groß der Einfluss ihres Denkens auf ihren Körper ist. Sie sagt: Am Ende bin ich das doch irgendwie selber. Und selbst wenn ich es nicht bewusst bin, dann bin ich es unterbewusst.
Die Zahlen, weil sie dazugehören
98 Kilo am Anfang, 78 Kilo heute. Fast zehn Zentimeter weniger Bauchumfang. Ihre alten Kleidungsstücke aus der Schulzeit passen wieder, sie hat sie damals absichtlich behalten, weil sie sich innerlich gesträubt hat, alles neu für die "dicke Anne" zu kaufen. Nach dem Urlaub waren ein bis zwei Kilo wieder da, und das ist für sie kein Drama mehr. Sie weiß, welche Stellschrauben sie stellen kann.
Ob sie noch mal eine klassische Diät machen würde? Nein. Auf gar keinen Fall.
Deine Mini-Übung für morgen früh: der Spiegel-Gruß
Anne-Marias Satz war kein Vorsatz und keine Affirmation aus einem Buch. Er ist einfach entstanden: Hallo, da bist du ja.
Probiere das morgen aus. Du gehst ins Bad, du siehst dich, und bevor dein Blick anfängt zu suchen, sagst du innerlich eine Begrüßung. Nichts Großes. Kein "Ich liebe mich", wenn sich das falsch anfühlt. Ein Hallo reicht.
Wahrscheinlich fühlt es sich beim ersten Mal albern an. Das ist normal, dein Gehirn ist die Fehlersuche seit Jahren gewohnt. Wiederholung ist genau der Mechanismus, der bei Anne-Maria funktioniert hat. Nicht Intensität. Konstanz vor Perfektion.
Nimm dir eine Sache mit
Wenn du aus diesem Beitrag genau eine Sache mitnehmen möchtest, dann diese: Grüß dich morgen im Spiegel, bevor du dich prüfst. Eine Woche lang. Mehr nicht.
🎧 Hör-Tipp zur Folge: Martina spricht mit Anne-Maria über den ganzen Weg. Wenn dich vor allem der Kopf-Anteil interessiert, hör ab der Mitte besonders genau hin, dort erzählt Anne-Maria, wann sie gemerkt hat, dass sich ihr Denken verändert hat. Und der Schluss lohnt sich: ihre Antwort auf die Frage, wie sie das Coaching in einem Satz beschreiben würde.
FAQ
Ich habe schon so viel probiert. Warum sollte diesmal etwas anders sein? Anne-Maria hatte vor dem Coaching Diätprogramme, mehr Sport und ein Ernährungskonzept der Krankenkasse hinter sich. Der Unterschied lag nicht an mehr Anstrengung, sondern an einer Ebene, die vorher fehlte: dem Denken.
Muss ich an mentales Training glauben, damit es wirkt? Anne-Maria hat nicht daran geglaubt. Sie war ausdrücklich skeptisch und hat es trotzdem ausprobiert, weil das Risiko klein war. Das hat gereicht.
Wie viel Zeit braucht das im Alltag? Ihre Antwort ist ehrlich: Die festen Online-Termine waren als Lehrerin manchmal schwierig einzubauen. Genau diese Verbindlichkeit hat ihr aber am meisten geholfen, weil sie weniger Gründe hatte, sich herauszureden.
Was, wenn ich keine Zeit für mich habe? Anne-Maria würde einer Freundin sagen: Damit du für andere da sein kannst, musst du erst für dich selbst da sein, sonst bist du irgendwann gar nicht mehr da.
Nehme ich danach wieder zu? Sie hält ihr Gewicht seit Programmende. Nach Ferien und Erkältung waren ein bis zwei Kilo wieder da, und sie geht entspannt damit um, weil sie ihre Routinen kennt.
Was war ihr größter Stolz? Nicht die Kilos. Sondern dass sie den Weg überhaupt angefangen und ein ganzes Jahr durchgezogen hat, ohne zwischendurch das Handtuch zu werfen.